Spielanleitung
Mau Mau ist ein Abwerfspiel für 2 bis 6 Personen und eines der beliebtesten Familienkartenspiele in Deutschland und den Nachbarländern, gespielt mit einem Standard-52-Karten-Deck (traditionell einem 32-Karten-Skatblatt). Die Teilnehmenden legen Karten passend zum Rang oder zur Farbe der obersten Ablagekarte, wobei [7♠] die nächste Person zwingt, 2 Karten nachzuziehen, [J♦] als Farbwunsch-Karte fungiert und [8♣] einen Zug aussetzen lässt. Wer zuerst die eigene Hand leert, gewinnt, muss dabei aber im richtigen Moment 'Mau' und 'Mau Mau' rufen, sonst droht eine Strafkarte.
Mau Mau ist ein temporeiches Abwerfspiel für 2 bis 6 Personen und eines der meistgespielten Familienkartenspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist eng verwandt mit internationalen Verwandten wie Crazy Eights und Switch, unterscheidet sich aber durch eigene Sonderkarten und seinen berühmten 'Mau'-Ruf. Jede Person beginnt mit einer kleinen Hand und legt reihum eine Karte, die entweder im Rang oder in der Farbe zur obersten Karte des Ablagestapels passt; 4 Ränge besitzen Sonderkräfte, die die Mitspielenden zum Nachziehen zwingen, einen Zug aussetzen lassen oder es erlauben, die aktuell geforderte Farbe zu wechseln. Wer als Erstes die eigene Hand leert, gewinnt die Runde, muss aber in dem Moment, in dem nur noch 1 Karte übrig ist, 'Mau' ansagen und beim Ablegen der letzten Karte sofort 'Mau Mau' rufen, sonst droht eine Strafe, falls jemand anderes den Fehler zuerst bemerkt. Traditionell wird mit einem 32-Karten-Skatblatt gespielt, doch weltweit ist Mau Mau ebenso häufig mit einem vollen Standard-52-Karten-Deck anzutreffen, wodurch es sich überall dort leicht spielen lässt, wo ein Kartenspiel zur Hand ist.
Kurzreferenz
- 2 bis 6 Personen. Mischen Sie ein Standard-52-Karten-Deck.
- Teilen Sie jeder Person 5 Karten aus; legen Sie den Rest verdeckt als Nachziehstapel ab.
- Drehen Sie die oberste Karte des Nachziehstapels offen um, um den Ablagestapel zu beginnen.
- Spielen Sie 1 Karte passend zu Rang oder Farbe der obersten Ablagekarte, oder ziehen Sie vom Nachziehstapel, wenn das nicht möglich ist.
- zwingt die nächste Person, 2 Karten zu ziehen (stapelbar); erlaubt es, die nächste Farbe zu bestimmen; lässt die nächste Person aussetzen.
- Rufen Sie 'Mau', sobald nur noch 1 Karte übrig ist, und 'Mau Mau', wenn Sie Ihre letzte Karte ablegen.
- Die Person, die herausgeht, erhält 0 Punkte für die Runde.
- Alle anderen summieren ihre verbliebenen Karten: Ass/König/Dame/Bube = 10, Zahlenkarten = Kartenwert.
- Die Punkte summieren sich über eine Partie; das Erreichen einer Zielpunktzahl wie 100 beendet die Partie.
- Die Person mit der NIEDRIGSTEN Gesamtpunktzahl bei Partieende gewinnt.
Spieler
2 bis 6 Personen mit einem einzelnen 52-Karten-Deck; bei mehr als 6 mischen die meisten Runden 2 Decks zusammen (104 Karten), damit jede Hand noch spielbar bleibt und der Nachziehstapel nicht zu schnell zur Neige geht. Jede Person spielt für sich allein; es gibt keine Teams. Gespielt wird im Uhrzeigersinn, und das Geben wandert nach jeder Runde im Uhrzeigersinn weiter. Eine einzelne Runde dauert 5 bis 15 Minuten, je nachdem, wie die Sonderkarten fallen; ein geselliger Abend mit mehreren Runden dauert 30 bis 60 Minuten.
Kartendeck
- Standard-52-Karten-Deck: ein Deck mit französischen Farben, ohne Joker, für bis zu 6 Personen.
- Traditionelle Variante: In Deutschland wird Mau Mau traditionell mit einem 32-Karten-Skatblatt gespielt (7 bis Ass in jeder Farbe); dieser Eintrag beschreibt die weit verbreitete Version mit dem vollen 52-Karten-Deck, die einfach die Ränge 2 bis 6 als gewöhnliche Karten ohne Sonderkraft hinzufügt.
- Vier Sonderränge: zwingt die nächste Person, 2 Karten nachzuziehen; ist eine Wildkarte und erlaubt es der ausspielenden Person, die als Nächstes geforderte Farbe zu bestimmen; lässt die nächste Person aussetzen; alle anderen Ränge, einschließlich Assen, Königen, Damen und der Zahlenkarten 2 bis 6, haben keine besondere Wirkung und werden rein wegen ihres Rangs oder ihrer Farbe gespielt.
- Kartenwerte für die optionale Wertung: Ass, König, Dame, Bube = je 10, Zahlenkarten 2 bis 10 = Kartenwert.
Ziel
Werden Sie die erste Person, die alle Karten der eigenen Hand loswird, indem Sie sie Zug um Zug auf den Ablagestapel legen, und rufen Sie dabei korrekt 'Mau', sobald nur noch 1 Karte übrig ist, sowie 'Mau Mau' in dem Moment, in dem Sie sie ablegen.
Vorbereitung
- Mischen Sie das 52-Karten-Deck gründlich.
- Teilen Sie jeder Person 5 Karten verdeckt aus, eine nach der anderen im Uhrzeigersinn, beginnend mit der Person links vom Geber.
- Legen Sie die restlichen Karten verdeckt in die Mitte als Nachziehstapel.
- Drehen Sie die oberste Karte des Nachziehstapels offen daneben um, um den Ablagestapel zu beginnen; ist diese erste Karte ein , bestimmt der Geber die Farbe, die die erste Person bedienen muss.
- Die Person links vom Geber beginnt.
Spielverlauf
- Passend ausspielen: Legen Sie an Ihrem Zug eine Karte aus Ihrer Hand, die entweder im Rang oder in der Farbe zur obersten Karte des Ablagestapels passt, zum Beispiel eine auf eine (passender Rang) oder eine auf eine (passende Farbe).
- Nachziehen bei Stillstand: Haben Sie keine passende Karte, ziehen Sie 1 Karte vom Nachziehstapel. Lässt sie sich spielen, dürfen Sie sie sofort ausspielen oder für später zurückhalten; andernfalls endet Ihr Zug.
- Eine ausspielen: Die nächste Person muss 2 Karten vom Nachziehstapel ziehen und ihren Zug aussetzen, es sei denn, sie besitzt selbst eine Sieben zum Ausspielen, wodurch die Nachziehstrafe, nun auf 4 erhöht, an die folgende Person weitergegeben wird; das kann sich reihum fortsetzen, bis jemand nicht mehr weitergeben kann.
- Einen ausspielen: Die ausspielende Person bestimmt eine beliebige Farbe, auch die bereits aufliegende, die die nächste Person bedienen muss; ein Bube darf unabhängig von Rang oder Farbe der obersten Karte gespielt werden.
- Eine ausspielen: Die nächste Person setzt komplett aus, und es geht mit der Person danach weiter.
- 'Mau' ansagen: Sobald Sie eine Karte ausspielen, nach der nur noch genau 1 Karte in Ihrer Hand bleibt, müssen Sie laut 'Mau' sagen, bevor die nächste Person am Zug ist.
- 'Mau Mau' ansagen: Wenn Sie Ihre letzte Karte ablegen und damit Ihre Hand leeren, müssen Sie beim Ablegen 'Mau Mau' rufen, um die Runde sofort zu beenden.
- Strafe bei vergessener Ansage: Vergessen Sie 'Mau' oder 'Mau Mau' zu sagen und weist eine andere Person auf den Fehler hin, bevor der Zug der nächsten Person endet, müssen Sie 2 Strafkarten ziehen, bevor es weitergeht.
- Nachziehstapel auffüllen: Geht der Nachziehstapel vor Rundenende zur Neige, drehen Sie den Ablagestapel bis auf die oberste Karte verdeckt um und mischen ihn neu, um einen neuen Nachziehstapel zu bilden.
Punktewertung
- Spieler, der die Runde gewinnt: erhält 0 Punkte für diese Runde; alle anderen summieren den Punktwert der in der Hand verbliebenen Karten: Ass, König, Dame, Bube = je 10, Zahlenkarten 2 bis 10 = Kartenwert.
- Laufende Punktzahl: Viele Runden spielen eine Partie aus mehreren Runden und addieren die Punkte jeder Runde zur laufenden Gesamtpunktzahl aller Spieler, die nicht herausgegangen sind.
- Zielpunktzahl: Die Partie endet, sobald eine vereinbarte Zielpunktzahl erreicht ist, üblicherweise 100 Punkte; die Person mit der NIEDRIGSTEN Gesamtpunktzahl bei Partieende gewinnt die gesamte Partie.
- Lockeres Spiel: Viele Haushalte verzichten ganz auf die Wertung und spielen einfach Runde um Runde zum Vergnügen, wobei jeweils die Person gewinnt, die zuerst herausgeht.
Gewinnen
Eine Runde endet in dem Moment, in dem jemand die letzte Karte ablegt und dabei korrekt 'Mau Mau' ruft; diese Person gewinnt die Runde direkt. Bei einer gewerteten Partie wird über mehrere Runden weitergespielt, bis die Strafpunktsumme einer Person die vereinbarte Zielpunktzahl erreicht; dann gewinnt die Person mit der niedrigsten Gesamtpunktzahl die Partie. Stehen 2 oder mehr Personen bei der niedrigsten Punktzahl gleichauf, wird eine zusätzliche Entscheidungsrunde nur unter den gleichauf liegenden Personen gespielt. Beim lockeren Spiel ohne Wertung wird oft einfach sofort neu gegeben, und das Prestige für die Runde geht an die Person, die zuerst herausgegangen ist.
Häufige Varianten
- 32-Karten-Skatblatt: Die traditionelle deutsche Version entfernt die Karten 2 bis 6 jeder Farbe und verwendet nur 7 bis Ass (32 Karten); die Sonderkräfte von (Nachziehen), (Wildkarte) und (Aussetzen) gelten weiterhin.
- Ass-Sonderkraft: Viele regionale Hausregeln geben dem Ass eine eigene Sonderkraft, meist zwingt es alle anderen Personen, 1 Karte nachzuziehen, oder lässt einmal reihum alle anderen aussetzen; dieser Eintrag beschreibt die Grundversion, in der Asse keine Sonderkraft haben, klären Sie das also vor dem Geben.
- Begrenzung der Siebener-Kette: Manche Runden begrenzen die -Kette auf eine einzige zusätzliche Person, statt die Nachziehstrafe unbegrenzt um den Tisch eskalieren zu lassen.
- Mau Mau mit 2 Decks: Ab 7 Personen werden 2 Standard-52-Karten-Decks zusammengemischt, damit jede Hand spielbar bleibt und der Nachziehstapel nicht mitten in der Runde zur Neige geht.
- Bavarian Rummy: Eine kommerziell vertriebene amerikanische Adaption von Mau Mau mit eigenem, markenspezifischem Deck folgt unter anderem Namen derselben Grundstruktur aus Anlegen und Sonderkarten.
Tipps und Strategie
- Halten Sie Ihre zurück. Da ein Bube unabhängig von Rang oder Farbe auf jede oberste Karte gespielt werden darf, ist es wertvoller, einen für einen Moment aufzuheben, in dem Sie sonst feststecken würden, als ihn sofort nach dem Ziehen auszuspielen.
- Achten Sie auf gestapelte Siebenen. Halten Sie selbst eine und die Person vor Ihnen spielt eine aus, gibt das sofortige Ausspielen Ihrer eigenen eine noch größere Nachziehstrafe weiter, statt sie selbst zu übernehmen.
- Setzen Sie Ihre Achten gezielt ein. Eine auszuspielen, um die Person direkt vor jemandem mit nur noch 1 oder 2 Karten aussetzen zu lassen, verschafft dem restlichen Tisch einen zusätzlichen Zug zum Aufholen.
- Sagen Sie sofort 'Mau'. Die Ansage in dem Moment zu machen, in dem nur noch 1 Karte übrig ist, statt abzuwarten, was als Nächstes passiert, erspart Ihnen eine unnötige Strafe wegen Vergessens.
- Behalten Sie Farben im Blick, nicht nur Ränge. Da eine passende Farbe allein zum Ausspielen genügt, hält eine breite Streuung verschiedener Farben Ihre Optionen länger offen, als mehrere Karten eines Rangs zu horten.
Glossar
- Ablagestapel: der offene Stapel in der Tischmitte, auf dem ausgespielte Karten sich sammeln; seine oberste Karte bestimmt, was die nächste Person bedienen muss.
- Nachziehstapel: der verdeckte Stapel nicht ausgeteilter Karten, von dem gezogen wird, wenn keine passende Karte gespielt werden kann.
- Herausgehen: die letzte Karte ablegen, um die eigene Hand zu leeren und die Runde zu gewinnen.
- Wildkarte: eine Karte, wie der in diesem Regelwerk, die unabhängig von Rang oder Farbe der obersten Ablagekarte gespielt werden darf.
- Stapeln: eine passende Sonderkarte, etwa eine zweite , auszuspielen, um eine wachsende Strafe an eine spätere Person weiterzugeben, statt sie selbst zu übernehmen.
Tipps & Strategie
Da Buben unabhängig von Rang oder Farbe auf jede oberste Karte gespielt werden können, ist die beste langfristige Gewohnheit bei Mau Mau, mindestens einen als Notausgang zurückzuhalten, statt ihn sofort abzuwerfen, sobald er in der Hand liegt; ein aufgehobener Bube rettet häufig aus einem sonst unspielbaren Zug. Auch der Blick auf gestapelte Siebenen im Ablagestapel lohnt sich: Halten Sie eine [7♠], während die Person vor Ihnen gerade eine ausspielt, gibt das sofortige Ausspielen Ihrer eigenen eine noch größere Nachziehstrafe weiter, statt dass Sie den vollen Nachzug von 2 Karten selbst übernehmen müssen. Eine [8♣] wirkt am stärksten, wenn sie gezielt die Person direkt vor jemandem aussetzen lässt, der nur noch 1 oder 2 Karten hat, denn das verschafft dem restlichen Tisch praktisch einen zusätzlichen Zug zum Aufholen, bevor diese Person herausgehen kann. Sofort zu reagieren, sobald genau 1 Karte übrig bleibt, und ohne Zögern 'Mau' zu rufen, schützt vor einer unnötigen Strafe durch Mitspielende, die den Fehler zuerst bemerken. Und da eine passende Farbe ebenso gültig ist wie ein passender Rang, hält eine Verteilung der eigenen Hand über mehrere Farben statt einer Häufung mehrerer Karten eines Rangs bei jedem Zug mehr Optionen offen.
Mau Mau belohnt es, 1 oder 2 Züge vorauszudenken und zu erkennen, welche Karten flexibel einsetzbar sind, statt einfach die erste passende Karte auszuspielen; eine Karte, die sowohl im Rang als auch in der Farbe zur aktuellen Ablage passt, lohnt es sich eher zurückzuhalten als eine, die nur zufällig passt, da sie bei einem künftigen Zug 2 verschiedene Auswege offenhält. Da es nur wenige Sonderränge gibt, verschafft es einen echten Vorteil, mitzuzählen, wie viele Siebenen, Achten und Buben bereits gefallen sind; wer weiß, dass alle 4 Buben schon im Spiel waren, muss sich spät in der Runde keine Sorgen mehr über einen überraschenden Farbwechsel machen. Timing zählt mehr als reine Kartenqualität: Eine [8♣], die eine fast leere Hand aussetzen lässt, ist in diesem Moment weit wertvoller als dieselbe Karte, früher nur gespielt, um aktiv zu bleiben. Da das Erreichen von genau 1 Karte die verpflichtende 'Mau'-Ansage auslöst, achten starke Spielende bewusst darauf, diesen Punkt nie in einem unaufmerksamen Moment zu erreichen, denn genau dann wird die Strafe für eine vergessene Ansage fällig.
Wissenswertes & Fun Facts
Der Name des Spiels ist zugleich seine zentrale Regel: Es muss laut 'Mau' gerufen werden, sobald nur noch die letzte Karte übrig ist, und 'Mau Mau' in dem Moment, in dem sie abgelegt wird, was Mau Mau zu einem der wenigen weitverbreiteten Kartenspiele macht, bei denen lautes Sprechen im richtigen Moment selbst ein verpflichtender Spielmechanismus ist und nicht nur Tischgeplauder. Eine [7♠]-Kette kann sich im Prinzip einmal um einen großen Tisch ziehen, falls zufällig jede Person eine Sieben auf der Hand hat, wodurch eine früh in der Runde gespielte Karte bis zum Erreichen einer unglücklichen Person ohne eigene Sieben zu einer kaskadierenden, sich immer weiter steigernden Nachziehstrafe anwächst. Obwohl Mau Mau eines der bekanntesten deutschen Kartenspiele ist, gibt es kein einziges offizielles Regelwerk; fast jede Familie spielt eine etwas andere Mischung aus Hausregeln für Asse, Neunen oder Stapelgrenzen, und deutsche Kartenspielratgeber drucken oft mehrere konkurrierende Variantenlisten nebeneinander ab, statt sich auf ein festes Regelwerk festzulegen. Der amerikanische Verwandte des Spiels, Bavarian Rummy, wird in Spielwarenläden mit völlig anderer Kartengestaltung und anderem Namen verkauft, sodass viele Menschen in den USA im Grunde Mau Mau gespielt haben, ohne je den ursprünglichen deutschen Namen gehört zu haben.
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01Was muss bei Mau Mau sofort gerufen werden, sobald nur noch 1 Karte übrig bleibt, und was passiert, wenn man es vergisst?Antwort Es muss sofort 'Mau' gerufen werden; bemerkt jemand anderes die vergessene Ansage, bevor der Zug der nächsten Person endet, muss die vergessliche Person 2 Strafkarten ziehen, bevor es weitergeht.
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02Welche einzelne Karte darf im Grundregelwerk von Mau Mau unabhängig von Rang oder Farbe auf jede oberste Karte gespielt werden?Antwort Der Bube, zum Beispiel [J♦], ist bei Mau Mau eine Wildkarte und erlaubt der ausspielenden Person, die Farbe zu bestimmen, die die nächste Person bedienen muss.
Geschichte & Kultur
Mau Mau entstand im deutschsprachigen Europa des 20. Jahrhunderts als heimischer Verwandter jener internationalen Familie von Abwerfspielen, zu der auch Crazy Eights in Nordamerika und Switch in Großbritannien gehören; alle gehen auf ältere europäische Kartenspiele zurück, bei denen nach Rang oder Farbe passend abgelegt wird, um die eigene Hand zu leeren. Es entwickelte sich zu einem der meistgelehrten Kinder- und Familienkartenspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz, oft eines der ersten Kartenspiele, das in deutschen Haushalten neben Skat gelernt wird, und ist bis heute fester Bestandteil deutscher Kartenspielregelwerke und Kindersammlungen. Der Name soll vermutlich von der Mau-Mau-Erhebung in Kenia in den 1950er-Jahren stammen, einer Zeit, in der der Begriff als spielerische Umschreibung für alles Chaotische oder Ereignisreiche in den deutschen Sprachgebrauch einging, passend zur Neigung des Spiels zu dramatischen Wendungen bei der letzten Karte; auch wenn der genaue Ursprung des Namens umstritten ist, wurde der Ruf-Mechanismus mit 'Mau' und 'Mau Mau' zum unverwechselbaren Markenzeichen des Spiels. Eine kommerzielle amerikanische Adaption namens Bavarian Rummy verpackte später dieselben Grundregeln unter eigenem Deck und neuem Namen für den US-amerikanischen Markt und brachte die Mechanik so Menschen näher, die das ursprüngliche deutsche Spiel nie kennengelernt hatten.
Mau Mau nimmt in deutschsprachigen Haushalten einen ähnlichen Platz ein wie Crazy Eights in Nordamerika oder Switch in Großbritannien: Es ist sehr oft das erste Kartenspiel, das Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem vollen Blatt spielen lernen, am Küchentisch beigebracht, lange bevor anspruchsvollere Stichspiele wie Skat ins Spiel kommen. Der Ruf-Mechanismus, bei dem 'Mau' und 'Mau Mau' im richtigen Moment laut angesagt werden müssen, macht es zu einem von Natur aus geselligen und leicht theatralischen Spiel, denn eine vergessene Ansage vor der ganzen Runde ist ebenso sehr ein Moment gutmütiger Verlegenheit wie ein Regelverstoß. Da nie eine zentrale Instanz seine Regeln vereinheitlicht hat, dient Mau Mau auch als lebendiges Beispiel dafür, wie sich ein volkstümliches Kartenspiel von Haushalt zu Haushalt unterschiedlich entwickelt: Ass-Sonderkräfte, Stapelgrenzen und Deckgrößen variieren je nach Region, während das grundlegende Anlegen nach Rang oder Farbe überall wiederzuerkennen bleibt. Sein Export ins Ausland unter anderen Namen, allen voran als kommerziell vermarktetes Bavarian Rummy in den USA, zeigt, wie die Mechanik eines Spiels international wandern kann, auch wenn der ursprüngliche Name und die kulturelle Identität es nicht tun.
Varianten & Hausregeln
Die traditionelle deutsche Version wird mit einem 32-Karten-Skatblatt gespielt und verwendet nur 7 bis Ass jeder Farbe statt eines vollen 52-Karten-Decks, was Runden verkürzt und die Sonderränge in einem kleineren Blatt konzentriert. Viele regionale Hausregeln geben dem Ass zusätzlich zu den hier beschriebenen 4 Grund-Sonderrängen eine eigene Kraft, meist zwingt es alle anderen Personen, 1 Karte nachzuziehen, oder lässt einmal reihum alle anderen aussetzen; welche Zusatzkräfte gelten, sollte daher vor dem Geben geklärt werden, um Streit mitten in der Runde zu vermeiden. Manche Runden begrenzen, wie weit sich die Nachziehstrafe einer gestapelten Sieben steigern kann, und stoppen sie nach einer einzigen zusätzlichen Person, statt sie unbegrenzt um einen großen Tisch anwachsen zu lassen. Ab 7 Personen werden meist 2 Standard-52-Karten-Decks zusammengemischt, damit jede Hand spielbar bleibt und der Nachziehstapel nicht mitten in der Runde zur Neige geht. Bavarian Rummy verpackt dieselbe Struktur aus Anlegen und Sonderkarten als eigenständiges kommerzielles Produkt mit eigenem, markenspezifischem Deck und zeigt damit, wie übertragbar das Mau-Mau-Grundregelwerk außerhalb seines Ursprungslandes ist.
Neue Runden beginnen oft am einfachsten mit einer kleineren Starthand von 5 Karten und nur den 4 Grund-Sonderrängen, bevor Hausregeln für Asse oder Neunen hinzukommen, sobald alle mit dem grundlegenden Anlegen nach Rang oder Farbe vertraut sind. Werden 7 statt 5 Karten ausgeteilt, verlängert das jede Runde und gibt neueren Mitspielenden mehr Spielraum, einen [J♦] als Reserve zurückzuhalten, statt ihn sofort ausspielen zu müssen. Wird die Siebener-Kette auf 1 zusätzliche Person begrenzt, verhindert das, dass Nachziehstrafen zu einem einseitig hohen Kartenberg bei der unglücklichsten Person am Tisch anwachsen, was Anfänger sonst frustrieren kann. Haushalte, die einen klaren fortlaufenden Wettkampf statt einzelner, folgenloser Runden bevorzugen, können das Punktewertungsformat übernehmen und bis zu einer vereinbarten Zielpunktzahl wie 100 spielen, statt nach jeder Runde neu zu beginnen. Für jüngere Kinder vereinfacht es das Spiel, die Nachziehstrafe der [7♠] ganz wegzulassen und nur das Aussetzen durch [8♣] sowie die Wildkarte [J♦] beizubehalten, wodurch der Grundrhythmus aus Anlegen und Reagieren erhalten bleibt.






